Zukunftsreise Finnland & Estland – Electronic Based Systems Delegation

Wie stark ist Estland tatsächlich im Bereich E-Government und warum eigentlich? Und welches Erbe hinterließ Nokia in Finnland? Diesen und vielen weiteren Fragen ging der Silicon Alps Cluster im Rahmen einer Zukunftsreise im Oktober 2022 auf den Grund.

Bereits beim ersten Termin wurde die Wichtigkeit der Microelektronik in der Region unterstrichen: Im VTT arbeiten von ca. 2000 Mitarbeitenden rund 250 im Bereich „micro-electronics“. Sie unterscheiden sich im Besonderen durch ihren multi-disziplinären Forschungsansatz von anderen Einrichtungen. Diese „spezielle Offenheit“ konnten wir in sämtlichen Terminen erkennen, auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Rekrutiert wird im VTT nach dem Motto: „hire good people, educate them than!“

So erlebt auch in der Aalton Universität in Helsinki: ihre „digital Roadmap“ ist ebenso interdisziplinär aufgestellt und umfasst sämtliche Bereiche. Das Team rund um Tomi Kauppinen beschäftigt sich mit neuen Lern-Technologien, wie zum Beispiel dem Einsatz von virtueller Realität in der Lehre. Das Geheimnis ihres Erfolgs ist bestimmt die ganzheitliche, voll umfängliche Integrierung des digitalen Lernens, sowie auch die akribische Umsetzung der Basis-Arbeit: eine starke IT-Infrastruktur, inklusive intensivem Support für alle.

Weiters explorieren sie im Bereich der Micro-Credentials: diese beschreiben akkreditierte, kompakte Lerneinheiten mit ECTS-Zertifizierung. Laura Sivula demonstrierte eindringlich die Wichtigkeit dieser Lernform für das Up- ebenso wie das Re-Skilling. Das bedeutet, dass die „individuelleren, flexibleren Lernform“ nicht nur von Studierenden genutzt werden sollen, sondern ebenso im Bereich der Weiterbildung. An der Aalton Universität wird von „Life-Wide Learning“ gesprochen. Lebenslang als Begriff greift ihnen hier jedoch zu kurz, denn sie sind Teil der „Digivisio“, welche das Ziel verfolgt, eine Modellregion für flexibles Lernen bis 2030 zu werden.

Tampere, rund zwei Stunden entfernt von Helsinki ist bekannt als führende Industrie Stadt Europas. Hier findet man das Erbe der Erfolge Nokias und vieles mehr. Oliver Hussey, von Business Tampere beeindruckte mit seiner Präsentation des IKT-Stärkefelds im Bereich Optik, Photonik und Laser, sowie IC/Systeme on Chip Design und Konnektivität.

Die starke Verbindung zwischen Wirtschaft, Ausbildung und Forschung war auch an der Tampere Universität zu sehen. Henri Pikkalainen verdeutlichte uns einmal mehr den enormen interdisziplinären Ansatz in Forschung und Lehre und präsentierte uns im Zuge dessen ihr Verständnis von „challenge based learning“. Bei den Pitches der Studierenden zur aktuellen „ECIU Tampere City Challenge“ konnten die Theorie in der Praxis beobachtet werden. Im Bereich Mirco-Credentials arbeiten sie in einem europäischen Konsortium an Lösungen, ihre Ansätze und Experimente klingen beeindruckend wie vielversprechend. Vor allem die Einbindung der Lernenden trägt wohl maßgeblich zum Erfolg bei.

Beim Besuch des SoC Hub Tampere bekam die Delegation einen Überblick über deren Tätigkeiten, sowie auch die Kooperationen zwischen Großunternehmen, KMUs und Universitäten um neue Lösungen im Bereich „System on a Chip“ zu entwickeln.

Angekommen in Estland beeindruckt schon die „digitale“ Geschichte des Landes, alles – außer der Heirat und Scheidung – kann hierzulande digital erledigt werden. An der TalTech Universität begeisterte der Spirit des Hauses: Forscher, Studierende und Vortragende sind stolz ein Teil der Universität zu sein und somit ihre Beitrag an der (digitalen) Zukunft aktiv zu leisten. Besichtigt wurden das Institut autonomes Fahren und das Mektory TalTech – ein innovatives Innovations- und Businesszentrum. Bei Olaf Maennel, dem Professor für Cyber Security der TalTech ergaben sich anregende Gespräche rund um die aktuellen Herausforderungen in der Cyber-Kriminalität und mögliche Lösungswege. Der Studiengang Cyber Security ist interdisziplinär angelegt: Psychologie, Jus, Kryptographie und Informatik ergeben erst gemeinsam die ganzheitliche Betrachtung der Materie.

Beim Unternehmen Cybernetica AS veranschaulichte Arne Ansper eindrucksvoll deren Zugang zu digitaler Sicherheit. Sie bezeichnen sich selbst als „Architekten des E-Estonia-Ecosystems“ – wohl zu Recht. Die (digitale) Kompetenz der Region unterstreicht auch Eric Exner vom NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence. In seinem Vortrag erfuhr man „Insights“ über Trainings, Übungen und die Herangehensweise im „Thinktank“. Die enorme Dimension des Übens wurde durch die Erklärung der Locked Shields eindrucksvoll zur Schau gestellt.

Der Vortrag und die Diskussion von und mit Robert Krimmer (Professor an der Universität Tartu) rundeten das Bild vom digitalen Vorreiter Estland fundiert ab. Fundament eines erfolgreichen digitalen Staates sind gewissermaßen die digitale Bereitschaft/Einstellung der Gesellschaft und erst im zweiten Schritt die digitale Infrastruktur. Durch die digitalen Dienstleistungen (und Vorteile durch diese) kann in weiterer Folge die digitale Zukunft zur Realität werden.

Last but not least widmete sich die Delegation der „Education Technologie“. Es konnte ein guter Überblick gewonnen werden zu den aktuellen eingesetzten Technologien und deren Einsatzbereiche wie Wirksamkeit. Und auch hier wurde der ganzheitliche Ansatz als Erfolgsfaktor identifiziert, für jeden Schüler/jede Schülerin erhält die Bildungseinrichtung ein gewisses Budget pro Jahr, welches in digitales Lernen investiert wird. Frau Heini Karppinen von EdTech Finnland veranschaulichte den beeindruckenden Zugang Finnlands zum „modernen Lernen“.

Die letzte Station der Zukunftsreise setzte der Unternehmung quasi das „technologische Sahnehäubchen“ auf. SSH verfügt anscheinend über Lösungen zu Cyber Security-Herausforderungen die man hierzulande noch gar nicht kennt.

Silicon Alps bedankt sich bei seinen Partner-Organisationen für die Teilnahme an der Reise und den regen Austausch. Ein großes Danke ergeht ebenso an die beiden Außenhandels-Büros Stockholm und Riga, welche die Reise für uns organisierten.

Wir freuen uns auf die Weiterverfolgung der entdeckten Potenziale in diesem hochattraktiven Wirtschaftsraum.

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