64. Digitaldialog: Digitale Kompetenzen – Digitale Arbeitswelten

Welche Anforderungen die Wirtschaft an die Digitalisierung als Schnittstelle zwischen Ausbildung und Beruf stellt war Thema des 64. Digitaldialogs, der am 30. April an der FH CAMPUS 02 stattfand. Durch die zunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Digitalisierung sehen sich Hochschulen immer häufiger mit der Frage konfrontiert, über welche Digitalkompetenzen AbsolventInnen verfügten sollen, um den Ansprüchen der Wirtschaft gerecht zu werden. Im Zuge von drei Vorträgen unterschiedlicher Vertrete und Digitalisierungsexperten aus den Bereichen App-Entwicklung, Lagerlogistik und –automation sowie CyberSecurity wurde das Thema aus einer Praxisperspektive erläutert und diskutiert.

Digitalkompetenzen – Die Bedeutung von digitalen Natives und HochschulabsolventInnen in Startups

Die Erläuterung der Begriffsdefinitionen „digital“, „Kompetenz“ und „Digitalkompetenz“ bildete die Basis des Vortages von Julian Kainz, Entrepreneur und CEO des Unternehmens Moshbit GmbH. Er zeigte anhand von Statistiken auf, dass digitale Kompetenzen immer wichtiger werden und den Erfolg von Unternehmen am Markt prägen. Hierbei betonte er, dass zwar Fachwissen bezüglich Programmiersprachen, Softwareanwendungen und technischen Systemen nötig ist, jedoch Interdisziplinarität in der Denk- und Arbeitsweise von Unternehmen die wesentliche Kompetenz im digitalen Zeitalter bildet. Dieses Statement untermauerte er mit Beispielen aus seiner Erfahrung als Unternehmensgründer, indem er die Bedeutung von T-shaped Profiles und der Fähigkeit zum vernetzten Denken erläuterte. Somit braucht es in Unternehmen SpezialistInnen mit fundierten Fachwissen in einer Disziplin, die die Fähigkeit haben mit ExpertInnen anderer Bereiche zu kooperieren und eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Neben Interdisziplinarität stellen Lernfähigkeit und Mithörkompetenz wichtige Digitalkompetenzen dar. Das Fazit des Vortrages war, dass der Mensch in den Mittelpunkt gestellt werden muss und dieser durch Offenheit und Empathie gegenüber unterschiedlichen Disziplinen eine Schlüsselkompetenz für den Erfolg von Unternehmen im digitalen Wandel darstellt.

Clash of Cultures – Unternehmen im Spannungsfeld der Digitalisierung

Im Gegensatz zur Sichtweise eines Startups präsentierte Christoph Scherübl, Head of Digital Service & Solutions der KNAPP Systemintegration und Head of Smart Services der KNAPP Group, den Blickwinkel eines Konzerns auf das Thema digitale Kompetenzen. Zu Beginn zeigte Scherübl auf warum etablierte Unternehmen im Spannungsfeld der Digitalisierung stehen. Der Druck zur Veränderung und dies in allen Unternehmensbereichen kann zu falschen Entscheidungen führen, die aus Leadern Followern machen. Die Vorteile der Digitalisierung sind zwar klar, viele scheitern dennoch, denn die digitale Transformation ist ein langwieriger Prozess, der nicht durch Leuchtturmprojekte zu bewerkstelligen ist, sondern einen langen Atem erfordert. Die Problematik für Unternehmen ergibt sich daher in einer unrealistischen Erwartungshaltung und dem fehlenden Verständnis für Digitalisierung in mehr als nur Stichworten wie „IoT“, „Cloud“ oder „AI“. Mit der Problematik, dass zukünftige digital Leader in Unternehmen fehlen knüpft Scherübl an den ersten Vortrag an und bestätigt, dass es nicht nur um Fachwissen geht, sondern um die Kompetenz sich selbst Wissen aneignen zu können. Dieser Aspekt sollte in der Ausbildung der Next Generation Leaders berücksichtigt werden. Diese werden von Scherübl als MitarbeiterInnen charakterisiert die einen Willen zur Veränderung haben und Strukturen aufbrechen, indem sie die Bereitschaft haben Probleme durch Kooperation mit Dritten zu lösen, erprobte Lösungen von außen zu übernehmen und neuartige Methoden und Prozesse anzuwenden. Dennoch müssen sich laut Scheriau nicht nur Kompetenzen aus Sicht der MitarbeiterInnen ändern, sondern bedarf es auch aus Sicht der Unternehmen Maßnahmen wie der Etablierung flacher Hierarchien, neuer aktiver Wege der MitarbeiterInnen-Rekrutierung oder der Schaffung von Freiraum zum Erlernen von Best Practices.

Digitalkompetenz im Arbeitsumfeld CyberSecurity – welche Skills werden von HochschulabsolventInnen erwartet?

Bernhard R. Fischer, Security Consultant der Antares-NetlogiX Netzwerkberatung GmbH, hielt den abschließenden Vortrag der Veranstaltung. Als ehemaliger Lehrender an der Fachhochschule St. Pölten, der nun in der Wirtschaft tätig ist, wusste er aus unterschiedlichen Blickwinkeln über das Thema der digitalen Kompetenz zu berichten. Er gab einen Überblick über Kompetenzen in den spezifischen Bereichen des Security Consultant und Penetration Testings und allgemein im Bereich der IT-Security. Fischer betonte den Wandel der klassischen Office-IT zu nachhaltigen IT-Systemen, die von Komplexität geprägt sind und daher ein hohes Maß an Know-How und Stabilität benötigen. Somit müssen Fachkräfte einerseits ein vertiefendes Fachwissen für einen Bereich mitbringen und andererseits in unterschiedlichen Bereichen eine Basis zu haben, um die Komplexität zu verstehen und Systeme integrieren zu können. Dies bedeutet, dass auch Fischer Interdisziplinarität und T-shaped Profiles unterstrich als maßgebliche digitale Kompetenz von MitarbeiterInnen. Einen weiteren wichtigen Aspekt den Fischer zusätzlich ansprach, war die Kompetenz von digitalen ExpertInnen ihr Wissen an die Öffentlichkeit zu tragen, um auch die Auswirkungen und Gefahren, die mit einer zunehmenden Digitalisierung einhergehen, an die nächste Generation zu vermitteln. Aufklärung rund um Stichworte wie Überwachungsstaat, Netzneutralität, Privacy oder Content-Mafia zeichnen für ihn digitale ExpertInnen mit Weitblick aus.

Die abschließende Diskussion drehte sich um gesellschaftspolitische Fragestellungen zur Verantwortungsträgern der Digitalisierung und dem Leistungsdruck trotz dem „digitalen Versprechen“ einer Arbeitserleichterung. Stefan Grünwald, Studiengangsleitung der Studienrichtung IT & Wirtschaftsinformatik an der FH CAMPUS 02 und Moderator der Veranstaltung beendete den gelungenen 64. Digitaldialog mit dem Fazit, dass wir vor der großen Herausforderung stehen, im Wandel der Digitalisierung mit großen Auswirkungen auf die Menschheit, unsere Arbeitswelt im positiven mitzugestalten.