74. Digitaldialog | IT & Global Footprint

Petra Bußwald (akaryon), Michael Brenner-Fließer (Joanneum Research), Franz Prettenthaler (Joanneum Research), Gerhard Greiner (Alp.Lab)

IT & Global Footprint // Digitaldialog beleuchtet CO2-Fußabdruck der Digitalisierung

IT begleitet uns in allen Bereichen des modernen Lebens. Jedes Mal, wenn wir Smartphone, Tablet oder Notebook verwenden, verbrauchen wir natürliche Ressourcen und hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck. IT unterstützt uns aber auch, wenn es darum geht umweltbewusst und nachhaltig zu leben. Daher widmete sich der 74. Digitaldialog den Auswirkungen der Digitalisierung auf unseren CO2-Fußabdruck.

Der erstmals online durchgeführte Digitaldialog, organisiert von der IT Community Styria, brachte am 26.5.2020 Expertinnen und Experten im Bereich Technologie, Umweltschutz und IT mit Digitalisierungsinteressierten zusammen. IT digitalisiert und automatisiert unsere Geschäftsprozesse, über Plattformen sind wir mit Geschäftspartnern, mit Freundeskreis und Familie verbunden, Streamingdienste sind fixer Bestandteil unserer Mediennutzung. Viele von uns achten beim Kauf von Produkten auf Energieeffizienz oder legen kurze Wege ohne Auto zurück. Aber wer von uns weiß schon, welchen CO2-Fußabdruck er/sie hinterlässt? Wer kennt den CO2-Fußabdruck, den er/sie mit digitalen Aktivitäten hiterlässt?

Moderne, digitale Tools analysieren basierend auf dem persönlichen Lebensstil (Mobilität, tägliche Aktivitäten, Wohnsituation, …) wie viel CO2 eine Person verursacht. Aus den datenbasierten Ergebnissen leiten die Tools auch individuelle Handlungsempfehlungen ab, die dabei helfen den persönlichen CO2-Abdruck zu verbessern.

Betrachtet man den Footprint der Digitalisierung, so zeigt sich ein differenziertes Bild. Im Business-Bereich kann Digitalisierung dabei helfen, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Wenn mehr Menschen im Home-Office arbeiten und somit Flüge bzw. tägliche Autofahrten wegfallen, leistet dies einen deutlichen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen. Viele Unternehmen, darunter auch einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Digitaldialogs, haben in den letzten Wochen festgestellt, dass mit der Arbeit im Home-Office auch eine Produktivitätssteigerung verbunden ist. Mögliche Nachteile von Telearbeit werden dabei von den Unternehmen mit Angeboten wie virtuellen Cafes und Home-Office-Empfehlungen abgefedert.

Während ein Notebook (ohne Serverleistung und Streaming) auch bei 10-stündiger Nutzung einen deutlich geringeren CO2-Abdruck hinterlässt als eine 20-minütige Autofahrt, fällt der CO2-Abdruck mit Streaming und Serverleistung deutlich schlechter aus.

Digitalisierung in der Freizeit ist immer auch mit Energieverbrauch verbunden. Beispielsweise entspricht der Energieverbrauch von einer Stunde Streaming bei durchschnittlicher Videoqualität dem Energieverbrauch von 5 Kilometer Autofahrt. Wesentlich in der Betrachtung des CO2-Fußabdrucks ist aber nicht nur der Verbrauch an sich, bedeutend ist auch und ganz besonders, woher die verbrauchte Energie kommt, wie sie erzeugt wird. So verbessert auch hier die Nutzung erneuerbarer Energie den CO2-Fußabdruck. Wird schon beim Betrieb von Serverfarmen auf Energieeffizienz und ökologische Gesichtspunkte geachtet, leistet dies einen weiteren Beitrag zur Reduktion der CO2 Emissionen. Studien zufolge könnte der Anteil der Telekommunikations-Branche am weltweiten CO2-Ausstoß in den nächsten Jahren deutlich steigen. Umso wichtiger werden Maßnahmen, die dem entgegenwirken.

Wenn es um die Umsetzung von technischen und arbeitsorganisatorischen Innovationen mit dem Ziel der Reduktion des CO2-Fußbadrucks geht, sind von Beginn an auch die sozialen Auswirkungen für die davon betroffenen Menschen mitzuberücksichtigen, negative Folgen möglichst abzumildern und die positive Wirkung zu verstärken.

Footprint Education Digital

Als Expertin im Bereich des technischen Umweltschutzes und der technischen Mathematik stellte Petra Bußwald in ihrem Vortrag dar, wie die von akaryon entwickelten und kostenfrei zur Verfügung gestellten IT-Tools unter anderem von Schülerinnen und Schülern dazu verwendet werden, um ihren CO2-Fußabdruck zu messen. Die Tools des Unternehmens, das mit IT-Kompetenz und Umweltinformatik-Wissen “Konzepte zur Weltrettung” in Formeln & Codes übersetzt, beschränken sich jedoch nicht auf den Bildungsbereich. Sie sind vielmehr global verfügbare, digitale Footprinting-Werkzeuge made in Styria. Die erste Version eines CO2-Rechners konnten bereits 2001 die Besucher der damalige Landesausstellung Energie via Touchscreen-Terminal-System nutzen. Mit zunehmender Brisanz entstehen aktuell laufend immer neue Tools im Themen-Kontext.

Am Weg zum klimaneutralen Lifestyle: die Rolle der Digitalisierung

Das Institut für Klima, Energie und Gesellschaft von Joanneum Research erläuterte in einem Vortrag von Franz Prettenthaler und Michael Brenner-Fließer, welche Auswirkungen die Digitalisierung sowohl auf die Arbeitswelt – hier insbesondere die arbeitsbezogene Mobilität – als auch auf die Freizeit hat. Der Fokus lag dabei auf den Auswirkungen hinsichtlich des CO2-Ausstoßes. Brandaktuelle Daten von etwa 18.000 Europäerinnen aus der Zeit der CORONA-Krise – erhoben über den Climate LifestyleCheck von Joanneum Research – beleuchteten dabei auch die sozialen Hintergründe der Digitalisierung.

Webaufzeichnung

IT Community Styria

Die IT Community Styria (ITCS) ist Dachmarke und Qualitätssiegel für steirische Unternehmen, die Softwareentwicklung nicht nur als Geschäftsbereich und wirtschaftlichen Treiber, sondern auch als gesellschaftlichen Auftrag sehen. Die Vision der ITCS ist es, dass die Steiermark weltweit als Herkunftsregion für zukunftsweisende Software, hergestellt von modern und ethisch agierenden Unternehmen, angesehen wird. https://www.it-community-styria.at