67. Digitaldialog | Hot Topic: Blockchain beyond Bitcoin

V.l.n.r.: Rainer KANDLHOFER (difacturo GmbH), Shermin VOSHMGIR (WU Wien), Dirk SIEGEL (Deloitte Blockchain Institute), Thomas ZEINZINGER (BlockchainHub Graz), Lukas GÖTZ (Block42)

67. Digitaldialog | Hot Topic: Blockchain beyond Bitcoin

Am 17. September 2019 fand der 67. Digitaldialog zum Trendthema „Blockchain beyond Bitcoin“, der von Silicon Alps organisiert wurde, diesmal auf der TU Graz vor einem breiten Publikum statt. Durch den Abend führte Moderator und Geschäftsführer des Raiffeisen Rechenzentrums Ulfried Paier. Die hochkarätigen Keynotes der ExpertInnen beleuchteten die (r)evolutionäre Technologie und ihre disruptiven Möglichkeiten, denn die derzeit bedeutendste „Kette“ der Welt ist viel mehr als nur Bitcoin…

Shermin Voshmgir, Blockchain-Pionierin und Kryptoökonomin an der WU Wien, läutete mit Web 3 die Backend-Revolution dieses Jahrzehnts ein. Die Blockchain-Technologie, allen voran das Phänomen der Tokens, können neue Anreizsysteme im Netzwerk, aber auch in der Volkswirtschaft schaffen. Nationalbanken stehen vor dem Problem, Banknoten fälschungssicher zu halten. Sichere, analoge, aber auch digitale Zugangssysteme sind sehr teuer. Somit können Währungen, basierend auf Blockchain, diesen Sicherheitsaspekt „kostengünstig“ erfüllen. Aber auch das Konzept der Token-Ökonomie wurde von der Blockchain-Expertin vorgestellt.  Es gibt zwei Gruppen von Tokens: erstens die simplen Tokens, bei denen wir wissen, was sie juristisch für unsere Gesellschaft bedeuten (zB. Aktien, Anleihen, aber auch Kunstwerke). Und zweitens, die komplexen Tokens. Diese Art von Tokens, den sogenannten Purpose Driven Tokens, steuern P2P Zahlungsnetzwerke ohne Intermediäre und fußen auf token-basierte Anreizsystem (zB. Bitcoin). Ob Basic Attention Tokens, Reputationstokens oder „Wien Tokens“, bei dem klimaschonendes Verhalten in der Stadt mit Kulturangeboten animiert wird, diese neue Ära, die Bitcoin eingeläutet hat, kann wesentlich unser Wirtschaftssystem positiv verändern und neue Möglichkeiten in der Netzwerkökonomie aufzeigen.

Dirk Siegel, Founder und Head of Deloitte Blockchain Institute, verdeutlichte, dass die Blockchain-Technologie als Enabler von Internet of Things Devices entscheidend Einfluss nehmen kann. Vor allem liegt der Fokus in der Identifizierung der Dinge. Ein Luxusartikelhersteller konnte Produktpiraterie und somit entscheidende Verluste entgegenwirken, indem er für all seine Produkte einen digitalen Zwilling schaffte und die realen Produkte selbst mit einem Tag ausstattete, die eine blockchain-basierende und somit sichere Identifikation, ermöglichte. Die (r)evolutionäre Technologie bietet als natürliche Ergänzung zu IoT-Devices noch viel mehr. Einzelne Datensilos, die früher mit ERP Systemen mühsam aufgebaut wurden, können aufgebrochen werden und eine gesamte Logistikkette abbilden. Eine solche Datenbank mit den diversesten Stakeholdern angeschlossen, können den Produktivitätsgewinn für alle einbringenden Akteure wesentlich erhöhen. Nur ob eine stabile Performance ermöglicht werden kann, steht noch – seiner Meinung nach – in den Sternen.

Rainer Kandelhofer ist Geschäftsführer von difacturo, das als erfolgreiches, steirisches Start-Up E-Rechnungs-Lösungen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, entwickelt und anbietet. In seinem Vortrag „Blockchain Anwendungsfall: Vertrauen!“ verdeutlichte er, dass sein System transparent und nachvollziehbar ist und dennoch die Kontrolle bei den jeweiligen Teilnehmern selbst liegt. Außerdem zeigte er aus Anwendersicht auch die Tücken und Hürden der Technologie auf.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion ging es dann heiß her. Neben den Vortragenden des Digitaldialogs nahmen die Blockchain-Experten Thomas Zeinzinger, CoFounder des BlockchainHub Graz, als auch Lukas Götz, CEO bei block42 Blockchain Company, bei der Diskussionsrunde teil. Vor allem, das Thema der Einführung der neuen Kryptowährung „Libra“ durch Facebook führte zu einer kontroversen Auseinandersetzung und spannenden Theorien.