62. Digitaldialog: Digital – Vernetzt – Mobil: ITS am Beispiel Straßenverkehr

62. Digitaldialog: Digital, vernetzt, mobil – ITS am Beispiel Straßenverkehr

Am 26. Februar fand der 62. Digitaldialog mit dem Titel Digital, vernetzt, mobil: ITS am Beispiel Straßenverkehr“ statt, zu dem sich über hundert Interessierte in der Aula des Campus02 einfanden. Organisiert wurde dieser Digitaldialog von der JOANNEUM RESEARCH. Geschäftsführer Wolfgang Pribylführte durch die überaus spannende Veranstaltung mit vier Impulsvorträgen und einer anschließenden Diskussionsrunde.

Mobilität wird neu erfunden: Der derzeit radikale Wandel im Mobilitätsbereich stellt die für Europa und auch Österreich wirtschaftlich sehr bedeutende Automobil­industrie sowie die Infrastrukturbetreiber und die Gesetzgebung vor extreme Heraus­forderungen. Die laufenden Entwicklungen bieten viele Chancen und wesentliche Verbesserungen unter anderem im Sicherheitsbereich. Um mit den globalen Entwicklungen Schritt halten und diese auch essenziell mitgestalten zu können, ist Europa in den kommenden Jahren gefordert, neue Allianzen einzugehen und die notwendigen Forschungsaktivitäten konsequent voranzutreiben und umzusetzen. In engem Zusammenwirken von Anwendern, Industrie, Infrastrukturbetreibern, der Gesetzgebung, wie auch des öffentlichen und individuellen Verkehrs werden neue technische Standards definiert und entwickelt sowie neue Geschäftsmodelle etabliert werden.

Wichtiger Player in dieser Entwicklung ist die Plattform ITS Austria (Intelligent Transport Systems), die Josef Fiala (ASFINAG) in seiner Funktion als Co-Chair der ITS Austria vorstellte. Die Plattform ITS Austria hat im Oktober des Vorjahres das aktuelle Programm mit den Schwerpunkten digitale Infrastruktur, Konnektivität sowie Multimodalität (digital, vernetzt, mobil) verabschiedet. „Mit diesen Schwerpunkten ist es uns gelungen, Aufmerksamkeit zu erregen und zu zeigen, dass geforscht wird“, so Fiala. Ziel ist es hier die österreichischen und internationalen Aktivitäten im IST-Bereich zu bündeln.

Bernd Datler (ASFINAG) bot einen spannenden Überblick über die „Usecases“ der vernetzten intelligenten Verkehrssysteme (C-ITS), „das heißt so viel wie Fahrzeuge kommunizieren mit der Infrastruktur oder Fahrzeuge kommunizieren mit Fahr­zeugen“, erläuterte Datler. „Jetzt wo schon so viele mit dem Handy Haushaltsgeräte bedienen, soll vernetzte digitale Kommunikation auch im Straßenverkehr Einzug halten“, so Datler weiter. Er spannte den Bogen von der Verlegung der Glasfaser­kabel, die den Beginn der intelligenten Verkehrssysteme darstellen, über das Sammeln aller relevanten Daten durch verschiedene Sensoren, der Detektion von Ereignissen wie Unfällen oder Baustellensituationen bis hin zur Zusammenführung und Zurverfügungstellung dieser Informationen für die relevanten Parteien im Verkehrsbereich. Aktuell hat die ASFINAG die Vergabe der ITS-G5 gestartet. „Auto­matisiertes und vernetztes Fahren ist die Zukunft“, ist sich Datler sowie seine Mitdiskutanten sicher.

„Es gibt kein spannenderes Thema, als selbstfahrende Autos in die Fahrschule zu schicken“, begeistert sich Gerhard Greiner, der als Prokurist der ALP.Lab GmbH die Testregion für selbstfahrende Fahrzeuge vorstellte. „Wenn man das Thema automatisiertes Fahren in sechs Levels einteilt, befinden wir uns aktuell zwischen Level zwei und drei“, so Greiner. Tatsächlich autonomes Fahren, also fahren ohne Fahrer, stellt das höchste Level dar und ist Ziel der Forschungsarbeiten. Greiner appelliert an alle Forschungsakteure: „Testen, testen, testen! Beim Testen stellt die Simulation die Königsliga dar, bei der man parallel viele Szenarien realitätsgetreu abbilden kann.“

Für die Forschung und die Testumgebung intelligenter Verkehrssysteme sind hochgenaue Karten notwendig. Heinz Mayer, Direktor von DIGITAL, dem Institut für Informations- und Kommunikationstechnologien der JOANNEUM RESEARCH und Spezialist für Sensorik, erklärte in seinem Vortrag neueste Entwicklungen in der Kommunikation sowie auch der Satellitenkommunikation und erläuterte die Notwendigkeit hochpräziser Kartierung für die Verkehrsmodellierung und die Rolle der JOANNEUM RESEARCH im Bereich automatisiertes Fahren: „Exakte, digitale Karten sind für den Test und die Simulation von automatisierten Fahrfunktionen zwin­gend notwendig. In der JOANNEUM RESEARCH wird dies mit einer der leistungs­fähigsten Mapping Plattformen und der eigenen algorithmischen Kompetenz ent­wickelt und durchgeführt.“, so Mayer. Gesprochen wurde hier von genauen und voll­ständigen „Ultra High Definition Maps“ (UHD Maps), also digitale Referenzabbilder der Realität, die die Umgebung in Genauigkeit von bis zu zwei Zentimetern abbilden.

Der 62. Digitaldialog endete nach einer Diskussionsrunde mit Christian Grim (Robert Bosch AG) sowie Jörn Büttner (3M Deutschland) mit Networking und kulinarischem Ausklang.

Der „Digitaldialog“ ist eine Veranstaltungsreihe des Silicon Alps Clusters und wird in Kooperation mit den Partnern FH Campus 02, JOANNEUM RESEARCH, IT Community Styria und FH Kärnten durchgeführt. Bei dieser Reihe, die bereits im Jahr 2011 von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG ins Leben gerufen wurde, geben anerkannte Technologieexpertinnen und -experten Einblick in ihr Betätigungsfeld.

VORTRÄGE:

JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbHentwickelt Lösungen und Technologien für Wirtschaft und Industrie in einem breiten Branchenspektrum und betreibt Spitzenforschung auf internationalem Niveau. Mit dem Fokus auf angewandte Forschung und Technologieentwicklung nimmt die INNOVATION COMPANY eine Schlüsselfunktion im Technologie- und Wissenstransfer ein.

ITS Austriaist eine Plattform der nationalen IVS-Akteure Verkehrs- und Techno­logiepolitik, Infrastruktur- und Verkehrsbetreiber, Industrie sowie Forschung und Ausbildung. Die Schwerpunkte des aktuellen Arbeitsprogramms sind digitale Infrastruktur, Konnektivität und Multimodalität. Informationen unter: www.digitalvernetztmobil.at