57. Digitaldialog | Digitaldialog goes Asia – Focus on Greater China

57. Digitaldialog | Digitaldialog goes Asia – Focus on Greater China

Die erfolgreiche Eventreihe gestaltete sich erstmals international

Der 57. Digitaldialog stand diesmal ganz im Zeichen von Greater China und gab spannende Einblicke in die Mikroelektronik-Wirtschaft sowie Kultur und Business-Etikette der asiatischen Region. Die boomenden Wirtschaftsmetropolen Shanghai und Taipeh wurden dabei besonders von den Referenten beleuchtet. Durch den Abend führte Silicon Alps Geschäftsführer Dr. Günther Lackner, der selbst tiefgreifende, berufliche Erfahrungen im Reich der Mitte sammelte.

(Un)bekannte Vielfalt in Kultur und Geschäftsleben

DI Hannes Rink, selbst einige Jahre im Semiconductor-Bereich in Taiwan und China tätig, berichtete über die taiwanesische Vielfalt in der Kultur, dem Land und der Leute. Als sehr gastfreundliches Land praktiziert die Bevölkerung Taiwans hauptsächlich den buddhistischen Glauben. Taiwans Landschaft ist mannigfaltig. Populär ist vor allem das Golfen, bei dem man in aller Ruhe mit seinen Partnern Geschäfte machen kann. Aber auch Bergsteigen auf dem 3.952 m hohen Yushan oder einfach nur in den heißen Quellen entspannen sind hier sehr beliebt. Taiwan ist geschichtlich durch viele unterschiedliche Zuwanderer geprägt, daher sind die Bewohner sehr offen und freundlich. Essen in der taiwanesischen Geschäftskultur ist sehr wichtig, da es als Eisbrecher in der Annäherung an den Geschäftspartnern viele Vorteile bringt. Auch Visitenkarten sollten mit beiden Händen überreicht werden. Es hängt viel davon ab, welche Job Position, der internationale Geschäftspartner hat. Ist er zum Beispiel Geschäftsführer eines Unternehmens wird er mit Sicherheit den für ihn richtigen Personen vorgestellt. Ein weiterer Tipp ist, dass man respektvoll mit seinen Geschäftspartnern diskutieren und ruhig und geduldig Fragen beantworten sollte.

DI Simon Sebanz, COO bei AT & S Austria Technologie & Systemtechnik AG, teilte seine Hands-On-Erfahrungen im Aufbau eines Produktionswerks in Shanghai Anfang der 2000er mit dem Publikum. Die Herausforderungen, die das AT & S Team anfänglich hatte, war, dass man ursprünglich das Leobener Werk in China kopieren und die gleiche Kultur dort ausrollen wollte. Durch den Einsatz eines sehr jungen, dynamischen und anpassungsfähigen Teams wurde in Shanghai ein Produktionswerk gegründet, welches neue ökologische Standards in der Region setzte. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war, dass AT & S nicht in Billigarbeitskräfte investieren wollte, sondern in Technologie. Kulturelle Unterschiede müssen verstanden und akzeptiert werden. Gerade für die chinesische Bevölkerung sind Feiertage wie „Chinese New Year“ 春節 / 春节 sehr bedeutsam. So machte Herr Sebanz und seine Kollegen die Erfahrung, dass chinesische Mitarbeiter in Österreich über diese Feiertage lieber zuhause mit ihrer Familie verbringen wollten. Auch sollte es vermieden werden, während dem Mittagessen Geschäfte zu machen oder Meetings abzuhalten. Der größte Vorteil der chinesischen Bevölkerung liegt eindeutig darin, dass jeder jeden kennt, und sie immer lösungsorientiert handelt. Eine starke Ausrichtung und Strategie sowie die Möglichkeit zur Weiterentwicklung optimieren die Entscheidungs- und Umsetzungswege. Mitarbeiter in China sind meistens sehr flexibel, daher kommt es oft vor, dass sie das Problem umgehen, anstatt es anzugehen. Denn auch eine 90%ige Lösung ist auch eine Lösung. Zu vermeiden ist ebenfalls die direkte Kommunikation, wenn es ein Problem gibt. Das Gesicht zu verlieren, ist das schlimmste was Chinesen passieren kann. Hier ist eindeutig eine indirekte Kommunikation zu bevorzugen.

Der Leiter des Grazer Konfuzius Instituts und Geschäftsführer der SINOplex Gruppe, Dr. Wan Jie Chen, verlagerte schon früh seinen Lebensmittelpunkt von China nach Österreich. Der China-Experte für interkulturelles Management gab interessante und wichtige Anregungen, wie österreichische Firmen in China ihre Geschäfte aufbauen können. So ist der Aufbau von Guangxi, die Beziehung, extrem wichtig. Er identifizierte drei interkulturelle Ebenen, die in der Etablierung wichtig sind. Chinesen sagen nicht Nein, sondern beschreiben es. Ganz nach dem Sprichwort „Der Kaiser ist fern, der Himmel ist hoch“ interagieren chinesische Partner auf einer viel tiefgreifenderen Ebene – deduktiv sowie induktiv. Vertragsverhandlungen beginnen erst dann, wenn der Vertrag unterzeichnet ist. Alle Verhandlungen zuvor wurden nur in Absicht eines Abschlusses vorgenommen. Wertvoll ist auch bei der Gründung, die Bonität des Geschäftspartners unbedingt zu prüfen.

Shu-Mei Yang, Direktorin des Taipei Economic and Cultural Office in Austria, präsentierte die wichtigsten ökonomischen und ökologischen Kennzahlen Taiwans. Mit einer Bevölkerung von 23,57 Mio. Einwohnern, einem Bruttoinlandsprodukt von 572,7 Milliarden USD und einer Exportumsatz von 317,3 Milliarden USD zeigt Taiwan, dass es dank seiner wettbewerbsstarken Elektronikindustrie, die von zahlreichen Produktinnovationen am heimischen Markt profitiert, als essentieller Global Player und einflussreicher Wirtschaftspartner angesehen werden kann. Mit wichtigen Industrieinitiativen wie Asia Silicon Valley (IoT Vision 2025), Smart Machinery, Bio-Pharmaceuticals, Green Energy, National Defense uvm. stellte die Direktorin verschiedene Investitionsmöglichkeiten vor, die die taiwanesische Wirtschaft weiter ankurbeln und die globale Marktposition stärken soll.

Trends, Entwicklungen & Chancen

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es heiß her. Als Gastreferenten konnten für die Diskussion die österreichische Wirtschaftsdelegierte in Shanghai Mag.Christina Schösser, sowie David Cutler, Semiconductor Engineering and Operations Professional, gewonnen werden. Alle sind sich einig, dass der Trend der Region Greater China in High-End Technologie (China 2015) liegt. Das Ziel ist es, einer der besten und stärksten Global Player zu sein. Daher investiert China in seine Produktionswerke und upgraded sie. Hier liegt auch die Chance für Klein- bis Mittelzulieferer, die vor allem über Know-how im Aufbau von High-End Fabriken verfügen. Gerade loyale Zulieferer sind sehr gefragt. Aktuell werden auch chinesische Beteiligungen in Europa vermehrt wahrgenommen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass spezielles High-Tech Know-how angeeignet und etabliert werden soll. China ist schon viel weiter, als ein „kopierender Konkurrent“. Es hat sich weiterentwickelt. Es ist kreativer geworden. Ein starker Einfluss hat ebenfalls das Thema High-Automation. Wesentlich gibt es kaum Unterschiede, in welchen Ländern – Europa oder Asien – Industrie 4.0 eingesetzt wird. Im Gegenteil Lohnbilligländer profitieren nicht von Automatisierung. Wenn ein Weltkonzern wie Adidas will, dass es kundennah agiert, wird er eher in Deutschlang vollautomatisiert produzieren – so die Experten.

Nach der lebhaften und sehr informativen Diskussion ging es nahtlos in den Rückblick der letzten Silicon Alps Delegationsreise im Pearl River Delta 2017 sowie in den Ausblick der nächsten Silicon Alps Cluster Fokus Reise nach Shanghai und Taipeh im September 2018 über. Dr. Günther Lackner gab einen eindrucksvollen Rückblick der letztjährigen Reise nach Hongkong und Shenzhen. Die nächste Fokusreise findet vom 9.-16. September 2018 statt und beleuchtet die Trendthemen Robotics, 3D Printing, Smart City sowie Semiconductors. Neben hochkarätigen Forschungseinrichtungen werden namhafte Unternehmen im EBS Bereich besucht. Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt, daher wird um rechtzeitige Anmeldung gebeten.

Abschließend wurde im lockeren Ambiente das Networking forciert. Bei zahlreichen Gesprächen wurden sowohl Meinungen als auch Kontakte rege ausgetauscht. Sicher ist, dass die Region Greater China jetzt und in den nächsten Jahrzehnten eines der stark wirtschaftlich wachsenden Gebiete in der Elektronikindustrie sein und dank der flexiblen und innovationsfördernden Kultur neue Standards in der Branche setzen wird.

Moderation: Dr. Günther Lackner (Silicon Alps)

Präsentationen: 

DI Hannes Rink | Rink Technology GmbH & Co KG
DI Simon Sebanz | AT & S Technologie & Systemtechnik AG 
Shu-Mei Yang | Taipei Economic and Cultural Office in Austria – Präsentation 1
Shu-Mei Yang | Taipei Economic and Cultural Office in Austria – Präsentation 2
Dr. Günther Lackner | Silicon Alps Cluster 

Rückblick Silicon Alps Delegationsreise Hongkong und Shenzhen 2017