54. Digitaldialog: Soziale Aspekte der Digitalisierung

v.l.n.r.: Christina Henrich (Silicon Alps), Harald Raetzsch (IOT40 Systems), Christian Tautschnig (Tautschnig Rechtsanwälte GmbH), Larissa Krainer (Alpen-Adria Universität Klagenfurt)

54. Digitaldialog: Soziale Aspekte der Digitalisierung

Der DiDi erstmals in Klagenfurt!

Der 54. Digitaldialog stand diesmal ganz im Zeichen von ethischen und moralischen Fragestellungen, die durch die fortschreitende Digitalisierung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Erstmals in der Geschichte des erfolgreichen Formats öffnete der Digitaldialog seine Türen in den Süden. Vor einem zahlreichen Publikum wurde lebendig über das Thema soziale Aspekte der Digitalisierung in der Kärntner Landeshauptstadt im Lakeside Science & Technology Park referiert und diskutiert. Durch den interessanten Abend führte Christina Henrich vom Silicon Alps Cluster, der auch die 54. Ausgabe bespielt und organisiert hat.

Ethische, rechtliche und globale Herausforderungen!

Dr. Larissa Krainer, außerordentliche Professorin auf der Alpen-Adria Universität Klagenfurt und österreichische Philosophin, identifizierte in Ihrem Vortrag fünf Spannungsfelder, die sich unsere Gesellschaft auf Grund des digitalen Wandels stellen muss. Sie gab spannende Einblicke in die Vielzahl an ethischen Herausforderungen und stellte sich unter anderem den Fragen, wer die ethische und rechtliche Verantwortung über autonome, selbstorganisierende Systeme übernehmen wird. Außerdem soll auf Grund der Brisanz und Wichtigkeit dieser Problemstellung in den nächsten Jahren an der Alpen-Adria Universität ein Schwerpunkt zum Thema „Der Mensch im digitalen Zeitalter“ eingerichtet werden.

Aus einem rechtlichen Aspekt schilderte Mag. Christian Tautschnig, wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz zu mehr persönlichem Service führen kann. Innovationen im Rechtsbereich, allen voran Legal-Technologies, können sehr wohl Kosten senken und zu mehr Service führen. Branchen, die nach Zeit abrechnen, haben wenig Interesse, Dinge effizienter zu machen. Nicht so der serviceorientierte und digital-affiner Rechtsexperte. Durch den Einsatz von automatisierten Systemen können juristische Arbeitsprozesse erleichtert werden. Dies führt wiederum zu einem geringeren Aufwand von Recherchetätigkeiten und zu mehr Zeit für und mit den Klienten.

In einem globalen und volksökonomischen Kontext präsentierte Dr. Harald Raetzsch, Digitalisierungsprofi der ersten Stunde, lebendig seine interessanten Beobachtungen. Einstellungen zu digitalen Anwendungen und Technologien variieren je nach sozialem Spannungsfeld (Privat, Unternehmen oder Staat) und je nach Einflussbereich (USA, China oder Europa). Im privaten Bereich stößt man vor allem auf unkritische Nutzung von Services und Technologien. Meist informieren sich Nutzer kaum über die Hintergründe und Konsequenzen. Im Vergleich dazu weist der staatliche Bereich differenziertes Verhalten auf: Die USA dominiert im Bereich AI, IoT und Big Data und stürmt am Markt voran. China ist im globalen Kontext derzeit der einzig ernstzunehmende Konkurrent. Wobei Europa auf den digitalen Wettbewerb vorwiegend mit Regulierungen und Hidden Champions reagiert.

Das Thema ist unerschöpflich!

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es heiß her. Bei allen drei Vortragenden gab es Konsens darüber, dass das Thema der sozialen und ethischen Aspekte der Digitalisierung unerschöpflich ist. Menschen oder auch „Digital Immigrants“, die von digitalen Medien und Technologien auf Grund ihres Alters sowie ihrer regionalen Wurzeln abgeschnitten sind, sollten uneingeschränkten Zugang zu diesen Technologien bekommen. Die Klärung der rechtlichen Verantwortung, wenn automatisierte Technologien versagen oder sogar zu Todesfällen führen, wird uns noch eine längere Zeit beschäftigen. Europa wird in dieser brisanten Zeit vor allem dank seiner Stärke als moralisches und ethisches Gewissen auf die digitale Transformation maßgeblichen Einfluss nehmen.

Nach der lebhaften Diskussion ging es nahtlos in den gemütlichen Networkingteil über, bei dem noch in zahlreichen Gesprächen, unterschiedliche Ansichten und Meinungen rege ausgetauscht wurden. Sicher ist, dass der digitale Wandel in den nächsten Jahren uns sozial als auch rechtlich auf Trab halten wird. Wir sind gespannt.

Moderation:

Christina Henrich

Präsentationen/Vorträge:
Larissa Krainer (Alpe-Adria Universität Klagenfurt)
Christian Tautschnig (Tautschnig Rechtsanwälte GmbH)
Harald Raetzsch (IOT40 Systems AG)