Nachlese zum ExpertsBrunch – Lieferant werden bei AVL / TDK – Wir zeigen, wie es geht.

Nachlese zum ExpertsBrunch – Lieferant werden bei AVL / TDK – Wir zeigen, wie es geht.

In der letzten Silicon Alps Veranstaltung des Jahres 2017 fanden sich am 13. Dezember interessierte Firmenvertreter im Hotel Wiesler in Graz ein, um mehr über den Aufbau der Lieferantenbeziehungen bei der EPCOS OHG und der AVL List GmbH und den Werdegang der Firma Ortner Reinraumtechnik GmbH zu erfahren.

Dr. Erich Pinter, Strategischer Einkäufer für Rohstoffe und Frau DI Dina Obermair, Supplier Quality Manager erzählten im Detail über den Aufnahmeprozess neuer Lieferanten bei EPCOS.

Gemäß obenstehendem Motto berichteten Herr Dr. Pinter und Frau DI Obermair über die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, die Notwendigkeit der genauen Informationsangabe bei der Lieferantenselbstauskunft, sowie die Festlegung der weiteren Schritte, zu denen Anbot, Musterbestellung, Lastenheft sowie Preis-, Liefer- und Zahlungskonditionen zählen. Erst nach positiver Evaluierung einer potentiellen Firma und Bestehen des Audits kommt es zur Freigabe des Lieferanten. Weiters gaben sie Einblick in die zwischen EPCOS und den Zulieferfirmen abzuschließende Qualitätssicherungsvereinbarung und das jährliche Auditprogramm. In diesem werden alle Lieferanten einer Bewertung unterzogen, Lieferfirmen mit Qualitätsproblemen identifiziert und neue Lieferanten ausgewählt. Die Ergebnisse der Audits werden den Lieferfirmen kommuniziert und gegebenenfalls Maßnahmen zur Verbesserung bzw. Stärkung der Performance eingefordert. Dina Obermair fasste die Erwartungen von EPCOS an seine Lieferanten wie folgt zusammen: „Grundsätzliche Verfolgung einer 0-Fehler-Strategie, Bereitschaft zur ständigen Verbesserung, genaues Lesen bzw. genaue Kenntnis der Verträge und Spezifikationen, Einhaltung der festgelegten Fristen sowie der Wille zur Kontaktaufnahme bei sich ergebenden Fragen muss gegeben sein“. Insgesamt wurde der Eindruck vermittelt, dass man bei EPCOS potentiellen Firmen gegenüber offen und gute Kommunikation während des Aufnahmeprozesses sehr geschätzt wird.

Dr. Haring von AVL List GmbH beleuchtete einen weiteren Aspekt der Lieferantenbeziehungen, nämlich, dass es vielerlei Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen von AVL gibt, die in Folge auch von den Zulieferfirmen eingehalten werden müssen.

„Es gibt Anforderungen von Kunden und Gesellschaft an die Wirtschaft und somit an AVL.“

Bei einem globalen Unternehmen wie AVL fallen z.B. länderspezifische, gesetzliche Vorschriften wie z.B. Zoll- oder Sicherheitsbestimmungen, Materialzertifizierungen oder Ex- und Importbeschränkungen, aber auch geopolitische Regelungen wie Umweltschutzbestimmungen, Chemikalienverordnungen, Entsorgungsgesetze oder Arbeiterschutzbestimmungen. Herr Haring sprach über die Einhaltung der RoHS Richtlinien, Compliancevorschriften bezüglich sogenannter „Conflict Minerals“ und die REACH-vereinbarung. Dies verlangt von AVL und seinen Zulieferfirmen große Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

AVL hat ein eigenes Web-Portal, bei dem sich interessierte Lieferfirmen registrieren können und veranstaltet jährlich einen eigenen „Supplier Day“. Bei der Start-Up Initiative „Creators Expedition“ erhalten junge, innovative Unternehmen die Möglichkeit, mit AVL in Bereichen wie Autonomes Fahren oder E-Mobilität zusammenzuarbeiten.

Über seine persönlichen Erfahrungen beim Aufbau der Firma Ortner Reinraumtechnik GmbH berichtete Josef Ortner. Das 1985 ursprünglich als Montageunternehmen für Lüftungs- und Klimaanlagen gegründete Unternehmen spezialisierte im Laufe seiner Geschichte auf die Planung und Einrichtung komplexer Reinräume inklusiver aller Infrastrukturanlagen.

Mit zunehmendem Wettbewerb und aus der Erkenntnis, dass Reinraumtechnik eine Querschnittstechnologie ist, die vielerlei Entwicklungsmöglichkeiten bietet, entwickelte sich das Unternehmen von einem Installationsunternehmen hin zum Apparatebau mittels spezifischer Verfahren. „Wir haben in 30 Jahren sehr viel experimentiert, entwickelt, geforscht und uns mit Themen beschäftigt, die manchen anderen zu schwierig oder zu lästig waren“, sagt Josef Ortner. Heute zählt Ortner Reinraumtechnik zu den führenden Unternehmen der Reinraumtechnik in Europa, ist in Amerika, Asien und Australien tätig und zählt rund 130 Mitarbeiter. Ortner entwickelt standardisierte Anlagen für ein internationales Marktwachstum und bietet komplexe Systemintegration in Reinraumumgebungen an. Daneben gibt es Dienstleistungen in den Bereichen Dekontamination, Engineering etc. Das Unternehmen ist Trendsetter und äußerst begehrter Mitgestalter. Von Anfang an gab es Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Universitäten, die die Technologieentwicklung bei Ortner beeinflussten und vorantrieben. Josef Ortner betonte auch die Wichtigkeit der Kontaktaufnahme und Vernetzung innerhalb der eigenen Branche und mit Clusterorganisationen wie Silicon Alps. Ortner Reinraumtechnik hat viele Preise gewonnen, darunter den Fraunhofer IPA Reinheitstechnik – Preis – Clean! im Jahr 2015 und den WKO Sonderpreis ECONOVIUS 2016. Befragt nach seinem Credo für die nächsten Jahre antwortete Josef Ortner in einem Interview anlässlich der Überreichung des 1. Platzes des Kärntner KWF Innovations- und Forschungspreises des Jahres 2015:

„Wenn wir auf etwas draufkommen, dann sehen wir die Chance mehr daraus zu machen“.

Den drei Vorträgen folgte eine rege Diskussion mit dem Publikum. Beim anschließenden Get-Together gab es wieder reichlich Gelegenheit Kontakte zu knüpfen.

Präsentationen:

Lieferantenentwicklung bei EPCOS, DI Dina Obermair und Dr. Erich Pinter

Lieferantenbeziehungen bei AVL, Dr. Christian Haring

Erfolgsgeschichte der Ortner Group, Josef Ortner